Das große Flattern

Sage und schreibe ca. 3.700 Schmetterlingsarten gibt es hier in Deutschland. Davon sind 189 Tagfalter. Der große Rest gaukelt des nachts herum und wir kennen sie deshalb kaum. Sie sind als Bestäuber zwar weniger fleissig als Bienen – denn sie ernähren sich nur von Nektar und nicht von Pollen, aber dafür kommen sie mit ihren langen Rüsseln in Blüten, die zu tief sind für andere Bestäuber – und sie bestäuben auch in der Nacht. Denn Schmetterlinge sind ursprünglich nachtaktiv, und bis heute gaukeln nur 189 tagaktive Falter durch unsere Landschaft. Es gibt einige Pflanzen, die von der Bestäubung durch Schmetterlinge abhängig sind, z. B. Lichtnelken, Nachtkerzen sowie Geissblätter. Viel wichtiger ist die Rolle der Schmetterlinge und besonders ihrer Raupen als Nahrung für Vögel, Fledermäuse und andere insektenfressenden Arten. Gerade Vogeleltern brauchen proteinhaltige Raupen und Falter als Nahrung für ihre Nestlinge.

Die meisten Schmetterlinge ernähren sich vom Nektar unterschiedlichster Blüten, ihre Eier legen sie aber nur an ganz bestimmten Pflanzenarten ab. Und die müssen dann auch noch am richtigen Ort stehen – Sonne oder Schatten, Luftfeuchtigkeit, oder die Höhe des Pflanzenaustriebes spielen dabei eine wichtige Rolle. Schmetterlingsraupen sind also besonders stark auf einheimische Wildpflanzen und unterschiedlichste Strukturen angewiesen. Ein komplexes Zusammenspiel.

Alarmstufe dunkelrot

Bei den Schmetterlingen ist die Gruppe der Tagfalter besonders gut untersucht. Über 60 Prozent der Tagfalterarten stehen heute auf der Roten Liste Deutschlands! Lebensraumzerstörung und Gifteinsatz machen ihnen den Garaus. Bei den Nachtfaltern ist der Rückgang ähnlich besorgniserregend, zudem macht ihnen der Lichtsmog schwer zu schaffen.

Unser gesamter Garten ist eigentlich Falterarena

Auf Brennnesseln, Disteln und anderen „Unkräutern“ sind die Raupen vom Kleinen Fuchs, Tagpfauenauge, Admiral, C-Falter, Distelfalter und Landkärtchen spezialisiert. Wichtig sind auch heimische Sträucher und Bäume. Die Raupen des Zitronenfalters ernähren sich nur von Blättern des Kreuzdorn oder Faulbaumes (haben wir an den Teich gepflanzt), die des Baumweißlings nur von Apfel-, Schlehen- oder Weißdornblättern (haben wir auch alle gepflanzt), usw. Ein Potpourri verschiedenster heimischer Pflanzen, die sowohl Raupenfutterpflanze als auch Nektarspender sind, haben wir im gesamten Garten verstreut. Wir bieten Königskerzen für die Raupen des Königskerzen-Mönches, Wilde Möhre für die Raupen des Schwalbenschwanzes und Astern als späte Nektarquelle für hungrige Admirale oder Tagpfauenaugen. Für die Fortpflanzung des Wiesenvögelchen und des Schachbrettfalters lassen wir extra mähfreie Gräserstreifen stehen, usw. Und es wirkt: wir bemerken eine Zunahme an Faltern in unserem Garten. (Fotos: Nabugarten Edingen)