Lebensraum Wiese
Ein Urwald für Insekten
Naturnahe Wiesen sind unsere artenreichsten Lebensräume. Sie beheimaten mehr als 50 % aller in Deutschland vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. Pro Pflanzenart können acht bis zehn Tierarten auftreten, sodass Wiesen z. B. eine Vielzahl an Insektenarten beherbergen. Eine Wiese ist ein komplexes Ökosystem mit verschiedenen Schichten.
Unsere Wiese:
Auf einem Stück der offenen Fläche haben wir den nährstoffreichen Oberboden mit der Grasnarbe abgetragen und zu einen kleinen Hügel (mit der Sandlinse) verarbeitet. Die Fläche wurde anschließend mit gebietsheimischem Wiesensaatgut von Rieger-Hofmann eingesät (Anfang März 2022). Der Rest, der mit Gräsern und Kronwicke besiedelten Offenfläche wurde belassen. Jahr für Jahr übernehmen immer mehr Wildblumen und -kräuter die Grasfläche.
Unsere Mahd:
Wir sensen abschnittsweise, unregelmäßig und mal hier, mal da, um so wenig wie möglich den Lebewesen zu schaden und ihnen immer Ausweichflächen zu lassen. Durch die willkürliche Mahd möchten wir natürlichen Herdenfraß simulieren. Dadurch entstehen unterschiedliche Flächen, die häufiger, oder weniger, oder auch mal ein Jahr gar nicht gesenst werden. Ohne Mahd/Beweidung verbuscht die Fläche innerhalb von wenigen Jahren. Die Artenvielfalt nimmt dann ab.
Das Heu:
Wir tragen das Heu ab und belassen es auf dem Grundstück. Unsere Heureiter sind mittlerweile zwar gut gefüllt, sacken aber über den Winter stets zusammen.
Lebensraum Heureiter:
Innerhalb des Haufen können viele Tiere unterschlüpfen, um Frost- aber auch Hitzeperioden zu überstehen. Nicht nur Blindschleichen und Nattern nehmen die warmen Verstecke gerne als Winterquartier. Auch viele Kleinsäuger, Amphibien, Insekten und Spinnentiere schlüpfen hier unter.
Paradox: Je magerer der Boden, desto mehr Pflanzenvielfalt
Viele Wiesen sind überdüngt, das fördert das Wachstum konkurrenzstarker, nährstoffliebender Gräser. Aus dem Grund gibt es hier bei uns oft nur noch Graswiesen.
Lässt man das Düngen und Mulchen und trägt das Mähgut stets ab, wird der Boden langsam nährstoffarmer (magerer). Früher haben ziehende Vieh-Herden diesen Effekt erzielt. Das Graswachstum nimmt ab und Wildblumen und -kräuter können sich durch Samenflug in den Lücken ansiedeln. Ihre Überlebensstrategie: sie blühen üppig, um in kürzester Zeit genügend Samen produzieren zu können. Eine ideale Insektenweide.