Wildbienen – unsere Lieblinge im Garten
In Baden-Württemberg gibt es ca. 560 Wildbienenarten. Die Kleinsten sind 3 mm groß, die
Größte ist die 3 cm große Holzbiene. Sie sind friedliebend und meist solitär lebend. Die meisten Wildbienearten nisten im Boden. Andere nutzen Pflanzenstängel, Holz, Steinritzen als Nistraum. 33 % der Arten sind auf eine bestimmte heimische Pflanzenart spezialisiert und geben ihren Larven nur Pollen und Nektar ihrer bestimmten Blühpflanze. Wildbienen haben ihre ganze Lebensweise und -zyklus auf heimische Blühpflanzen abgestimmt.
Wir entdecken jährlich hier im Nabugarten mehr Arten. Je vielfältiger das Pflanzenangebot wird, desto artenreicher wird die Insektenwelt.
Wildbienen haben unterschiedlichste Lebens- und Verhaltensweisen und Flugzeiten. Die meisten Wildbienen leben im Gegensatz zur Honigbiene solitär, mit Ausnahme einiger weniger Arten und der 41 Hummelarten, die auch zur Gruppe der Wildbienen gehören. Wildbienen sind friedliebende Tiere, sie haben keinen Staat zu beschützen. Besonders die puscheligen Mauerbienen setzen sich hier im Nabugarten schon auch mal auf die Hand und lassen sich ganz nah betrachten. Die großen schwarzen Holzbienen beobachten uns oft bei der Gartenarbeit und scannen uns von oben bis unten, bis sie sich wieder trollen. Ab und an entdecken wir eine kleine Glockenblumen-Scherenbiene, die ein Schläfchen in der Glockenblüte hält oder eine vom Blütenstaub völlig gelb bepuderte Löcherbiene, die sich in einer Blüte suhlt.
Superwomen Wildbienen
Bei den meisten Bienenarten leben die geschlüpften Wildbienenmännchen nur ein paar Tage. Sie sterben gleich nach der Paarung. Die begatteten Weibchen leben größtenteils ca. 6–8 Wochen. In der Zeit legen sie unermüdlich Eier ab und sammeln für den Nachwuchs eifrig Pollen und Nektar. Eine Wildbiene kann an einem Tag bis zu 5.000 Blüten bestäuben und erzielt durch ihre Sammelweise einen doppelt so hohen Fruchtansatz wie eine Honigbiene. Honigbienen zählen zu den Haustieren. Die Wildform der Honigbiene ist längst ausgestorben.
Wildbienen tragen neben den Schwebfliegen den Hauptanteil der Bestäubungsleistung. Für den Fortbestand der Pflanzen und somit auch unserer Nahrung sind sie unverzichtbar.
stark bedrohte Helfer
Über 50 % der Wildbienen sind vom Aussterben bedroht. Alle Wildbienen sind gemäß des Bundesnaturschutzgesetzes geschützt. Dennoch wird der Erhalt ihrer Lebensräume nicht gefördert. Ihnen fehlt es mittlerweile schlichtweg an Nahrung (zu wenig Blühpflanzen auf Feldern, Wiesen und in Gärten) und geeignete und sichere Niststrukturen. 70 % aller Wildbienenarten nisten im Boden. Sie werden als Ingenieure des Ökosystems Boden beschrieben. Mit ihrem Nestbau lockern und durchlüften sie den Boden. Gefahren wie Insektizideinsatz, Verkehr, Rodungen, Bodenbearbeitung, Mulchmahd, usw., machen ihnen das (Über-)Leben schwer.
Die meisten Wildbienen können generell nur kurze Flugstrecken zurücklegen. Manche gerade mal nur wenige 100 Meter. Je näher Nahrungsquelle und Nistplatz zusammenliegen, desto mehr Energie bleibt den Wildbienen für eine ausreichende Eiablage und genügend Nachkommen.
Könnte ein Ausbau der Imkerei den Schwund kompensieren? Experten sind sich einig: das wäre so, als würde man mehr Hühnerfarmen anlegen, um die Singvögel zu retten. Nur konsequenter Artenschutz und die Förderung heimischer Blühpflanzen kann dem Sterben der Wildbienen entgegenwirken. Durch die Hobbyimkerei gibt es zudem lokal mittlerweile zu viele Honigbienenvölker, die in Nahrungskonkurrenz zu den Wildinsekten stehen. Es gibt hier zu wenig heimische Blühpflanzen über das gesamte Jahr verteilt.
Zwei deutlich erkennbare Wildbienenarten, die sehr häufig im Nabugarten zu beobachten sind: